Wir brauchen ein Umdenken in der Drogenpolitik

Dieser Artikel wurde am 27. September im Luxemburger Wort veröffentlicht als Teil einer Pro/Kontra Debatte zur Legalisierung von Cannabis. PDF-Version.

Die Einwohner von Uruguay haben’s leicht: Seit Ende August kann sich jede und jeder Volljährige in eine Liste eintragen lassen und darf fortan zu Hause selber Marihuana anbauen und dieses dann auch selbst rauchen, bis zu 480 Gramm pro Jahr. [1]Al Jazeera 03.05.2014: Uruguay unveils marijuana regulation details Früher kam man für diese Menge ins Gefängnis. Nach Jahrzehnten kommt die Wende in der Drogenpolitik: Uruguay wendet dem Krieg gegen die Drogen den Rücken zu. Viel zu lange hat dieser in Lateinamerika gewütet, die Kosten dafür waren viel zu hoch, der Krieg nicht zu gewinnen. Und Uruguay steht nicht alleine da: Andere Länder wie Argentinien, Peru, Paraguay und Mexiko haben Drogen ebenfalls größtenteils entkriminalisiert. [2]Drug Law Reform in Latin America: Drug Law Reform on the Map Man müsse neue Signale senden, die Realität verwalten statt sie zu verbieten, das ist die Nachricht der linken Regierung um José Mujica in Uruguay. Auch in den USA wird in immer mehr Bundesstaaten Cannabis entkriminalisiert oder zu medizinischen Zwecken freigegeben. [3]Wikipedia: Legality of cannabis by US state

Und in Europa? In lediglich einem Land (den Niederlanden) ist Cannabis de facto legalisiert, in neun weiteren ist es entkriminalisiert oder toleriert. [4]Wikipedia: Legality of Cannabis by country Alle anderen EU-Mitgliedsstaaten gehen weiterhin repressiv gegen Cannabis vor, darunter auch Luxemburg. Der European Drug Report geht davon aus, dass 21,7% der 15-64-Jährigen aus Europa in ihrem Leben schon einmal Cannabis konsumiert haben [5]EMCDDA – Europäischer Drogenbericht 2014, S. 14. Das entspricht 73,6 Millionen Menschen, während sich die Zahl der Konsumenten im letzten Jahr auf 18,1 Millionen (5,3% der Erwachsenen) beläuft. Die Global Drug Survey spricht sogar von einer höheren Zahl von Cannabiskonsumenten als von koffeinhaltigen Energydrinks. [6]The Global Drug Survey 2014: Findings Keine Frage: Durch Kriminalisierung lässt sich der Cannabiskonsum nicht aus der Gesellschaft verbannen. Im Gegenteil, Cannabis wird seit über 5000 Jahren geraucht und gehört zu der Gesellschaft. [7]MPP – Marijuana Policy Project: Frequently Asked Questions

Die Kriminalisierung von Cannabis spielt organisiertem Verbrechen in die Hände: Drogenschmuggel und damit zusammenhängende Gewalt werden so eher gefördert als eingedämmt, Kunden werden in den Schwarzmarkt gedrängt. Auch die vielen öffentlichen Gelder, welche in die Strafverfolgung fließen, können den Konsum nicht verhindern. Wäre es nicht besser, diese Gelder sinnvoller anzulegen? Wäre es nicht an der Zeit die aktuelle Drogenpolitik zu überdenken und progressive Ansätze zu fördern?

Die Diskussion um die Legalisierung von Cannabis sollte sachlich und emotionslos geführt werden. Studien belegen dass die Legalisierung kein starkes Wachstum von Cannabiskonsum mit sich bringt, weder bei Jugendlichen noch bei Erwachsenen. [8]Drug Policy Alliance – Marijuana: The Facts, S. 2 [9]NORML – Marijuana Legalization and its impact on use Cannabis ist zudem konträr zu vielen Behauptungen keine “Gateway”- bzw Einstiegsdroge [10]TIME – Marijuana as a Gateway Drug: The Myth That Will Not Die [11]AlterNet – Another Marijuana Myth Bites the Dust: The Real Gateway Drug is Alcohol, sondern eher eine “Terminus”-Droge. [12]Morgan, J and Zimmer, L (1995) ‘The Myth of Marijuana’s Gateway Effect’, NORML, Washington [13]Morgan, J and ZImmer L – Exposing Marijuana Myths: A Review of the Scientific Evidence Laut mehreren Studien sind die meisten Konsumenten nicht an sogenannten “härteren” Drogen interessiert. Zudem belegen medizinische Studien, dass Cannabiskonsum keine irreversiblen kognitiven Langzeitbeeinträchtigungen für Erwachsene mit sich bringt. [14]TIME – Study: Marijuana Not Linked With Long Term Cognitive Impairment

Die Legalisierung von Cannabis würde zudem viele Vorteile mit sich bringen: Nicht nur würde man dem organisierten Verbrechen einen Riegel vorschieben, man könnte auch den Konsumenten rechtlichen Schutz gewähren. Durch staatlich geregelten Verkauf kann zudem die Qualität der verkauften Ware gesetzlich geregelt und kontrolliert werden. Das Einführen einer Cannabissteuer könnte zudem bei der Sanierung der Staatskassen erheblich beitragen und es wäre eine Überlegung wert eine Studie in Auftrag zu geben, welche die budgetären Vorteile einer Legalisierung von Cannabis in Luxemburg genauer untersucht. Diese Einnahmen könnten direkt in die Forschung, Prävention und Aufklärung, besonders an Schulen, fließen. Die aktuelle Gesetzgebung, welche komatöses Massenbetrinken auf dem Oktoberfest [15]Eine wunderbare Zusammenfassung: München kotzt legalisiert und sozial toleriert, während das durchaus weniger schädliche Cannabis kriminalisiert und stigmatisiert wird, ist mehr als anachronistisch. Es ist Zeit sich von der repressiven Drogenpolitik zu lösen und neue Lösungsansätze in Betracht zu ziehen.

Foto CC by Prensa 420.

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References

1 Al Jazeera 03.05.2014: Uruguay unveils marijuana regulation details
2 Drug Law Reform in Latin America: Drug Law Reform on the Map
3 Wikipedia: Legality of cannabis by US state
4 Wikipedia: Legality of Cannabis by country
5 EMCDDA – Europäischer Drogenbericht 2014, S. 14
6 The Global Drug Survey 2014: Findings
7 MPP – Marijuana Policy Project: Frequently Asked Questions
8 Drug Policy Alliance – Marijuana: The Facts, S. 2
9 NORML – Marijuana Legalization and its impact on use
10 TIME – Marijuana as a Gateway Drug: The Myth That Will Not Die
11 AlterNet – Another Marijuana Myth Bites the Dust: The Real Gateway Drug is Alcohol
12 Morgan, J and Zimmer, L (1995) ‘The Myth of Marijuana’s Gateway Effect’, NORML, Washington
13 Morgan, J and ZImmer L – Exposing Marijuana Myths: A Review of the Scientific Evidence
14 TIME – Study: Marijuana Not Linked With Long Term Cognitive Impairment
15 Eine wunderbare Zusammenfassung: München kotzt

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